Einfamilienhaus in einer Wohnsiedlung

Wohnrecht bewerten – so mindert es den Wert der Immobilie

Wer eine Immobilie mit lebenslangem Wohnrecht übergibt oder erbt, muss wissen, was dieses Recht wert ist. Das beeinflusst Kaufpreis, Pflichtteil und Steuer.

Foto: Metilsteiner, Wikimedia Commons, CC BY 3.0, zugeschnitten

Was ist ein Wohnrecht?

Das Wohnungsrecht (§ 1093 BGB) erlaubt einer Person, ein Gebäude oder einen Teil davon unter Ausschluss des Eigentümers zu bewohnen. Es wird im Grundbuch in Abteilung II eingetragen und gilt meist lebenslang. Anders als beim Nießbrauch darf der Berechtigte die Räume in der Regel nicht vermieten.

Typische Situationen

  • Eltern übertragen das Haus an ein Kind und behalten ein Wohnrecht
  • Der überlebende Ehepartner erhält im Testament ein Wohnrecht, das Haus erben die Kinder
  • Eine Immobilie mit eingetragenem Wohnrecht soll verkauft oder beliehen werden

So wird ein Wohnrecht bewertet

  1. Jahreswert: Was wäre die Nutzung der betroffenen Räume im Jahr wert? Grundlage ist die marktübliche Miete, abzüglich der Kosten, die der Eigentümer weiterhin trägt.
  2. Laufzeit: Bei einem lebenslangen Recht die statistische Lebenserwartung des Berechtigten nach der aktuellen Sterbetafel.
  3. Kapitalisierung: Der Jahreswert wird mit einem Zinssatz über die erwartete Laufzeit auf den Stichtag abgezinst.
  4. Wertminderung: Der Verkehrswert der Immobilie ohne Belastung wird um den Wert des Rechts gemindert – marktgerecht, denn Käufer zahlen für ein belastetes Haus meist noch weniger als den rechnerischen Wert.

Vereinfachtes Beispiel

PositionBetrag
Verkehrswert ohne Wohnrecht320.000 €
Jahreswert des Wohnrechts (Erdgeschoss, 90 m²)7.200 €
× Kapitalisierungsfaktor (Berechtigte 78 Jahre)× 9,5
Wert des Wohnrechts68.400 €
Verkehrswert mit Wohnrecht (gerundet)252.000 €

Alle Zahlen sind frei gewählt und dienen nur der Veranschaulichung.

Steuerliche Bewertung

Für die Schenkung- und Erbschaftsteuer rechnet das Finanzamt nach eigenen, pauschalen Regeln (§§ 14–16 Bewertungsgesetz): Jahreswert mal Vervielfältiger aus einer jährlich veröffentlichten Tabelle. Der Jahreswert ist dabei gedeckelt – höchstens der Wert des Grundstücks geteilt durch 18,6. Weicht das Ergebnis deutlich vom tatsächlichen Wert ab, kann ein Verkehrswertgutachten helfen.

Häufige Fragen

Kann man ein Haus mit Wohnrecht verkaufen?
Ja, das Wohnrecht bleibt aber bestehen und geht auf den Käufer über. Entsprechend niedriger ist der erzielbare Preis.
Was passiert mit dem Wohnrecht, wenn der Berechtigte ins Pflegeheim zieht?
Das Recht erlischt nicht automatisch. Ob Räume dann vermietet werden dürfen oder das Sozialamt Ansprüche geltend macht, hängt von der Vereinbarung ab – das sollte ein Anwalt prüfen.

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