Gewerbepark mit Gewerbeimmobilien in Luhe-Wildenau

Kaufpreisfaktor und Rendite: So prüfen Sie den Preis einer Gewerbeimmobilie

Käufer und Verkäufer sprechen über Faktoren und Renditen. Was die Kennzahlen bedeuten, wie sie sich unterscheiden und warum sie ein Gutachten nicht ersetzen.

Foto: Alois Köppl, Wikimedia Commons, CC BY 3.0, zugeschnitten

Die drei Kennzahlen im Überblick

Kurz gesagt: Der Kaufpreisfaktor setzt den Preis ins Verhältnis zur Jahresmiete, die Rendite dreht das Verhältnis um. Beides sind Markt-Kennzahlen zur schnellen Einordnung. Sie sagen nichts darüber, ob die Miete nachhaltig ist, und sie ersetzen kein Gutachten.

KennzahlFormelAussage
KaufpreisfaktorKaufpreis ÷ JahresnettokaltmieteWie viele Jahresmieten der Käufer zahlt
BruttoanfangsrenditeJahresnettokaltmiete ÷ KaufpreisRendite ohne Nebenkosten und ohne Kosten des Eigentümers
Nettoanfangsrendite(Jahresmiete − nicht umlagefähige Kosten) ÷ (Kaufpreis + Erwerbsnebenkosten)Rendite aus Sicht des Käufers nach Kosten

Das Lexikon erklärt die Nettoanfangsrendite ausführlicher.

Ein Rechenbeispiel

Frei gewählte Beispielwerte, keine Marktdaten.

Ein Geschäftshaus soll 2.000.000 € kosten. Die Jahresnettokaltmiete beträgt 140.000 €, die nicht umlagefähigen Kosten liegen bei 7.000 € im Jahr. Die Erwerbsnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, ggf. Makler) setzen wir mit 6 % des Kaufpreises an, also 120.000 €.

  • Kaufpreisfaktor: 2.000.000 € ÷ 140.000 € = 14,3
  • Bruttoanfangsrendite: 140.000 € ÷ 2.000.000 € = 7,0 %
  • Nettoanfangsrendite: 133.000 € ÷ 2.120.000 € = 6,3 %

Warum ein Faktor allein nicht reicht

  • Die Miete muss nachhaltig sein. Eine hohe Vertragsmiete über Marktniveau führt zu einem scheinbar günstigen Faktor, der bei Vertragsende kippt, siehe Gewerbeimmobilie und Mietverträge.
  • Restlaufzeit und Mieterbonität bestimmen, wie lange der Ertrag fließt.
  • Zustand und Investitionsbedarf sind im Faktor nicht enthalten.
  • Lage und Drittverwendbarkeit entscheiden, wie sich das Objekt bei Mieterwechsel verhält.
  • Der Faktor im Gutachten ist ein anderer: Der Vervielfältiger im Ertragswertverfahren hängt von Liegenschaftszins und Restnutzungsdauer ab und bezieht sich auf den Reinertrag. Er ist nicht dasselbe wie der Kaufpreisfaktor am Markt.

Wann sich ein Gutachten lohnt

Vor dem Kauf oder Verkauf ordnet ein Gutachten den Preis ein, indem es die nachhaltige Miete, die Risiken und die Marktdaten zusammenführt. Bei Bank, Gesellschaftern oder Erben liefert es einen belastbaren Wert, siehe Verkaufspreis einer Gewerbeimmobilie und vermietete Kapitalanlage.

Was Käufer zusätzlich prüfen sollten

  • Nicht umlagefähige Kosten: Verwaltung, Instandhaltung und Mietausfallwagnis werden vom Eigentümer getragen und schmälern die Nettorendite.
  • Ist-Miete gegen Marktmiete: Liegt die Vertragsmiete über dem Markt, ist der Faktor trügerisch niedrig. Liegt sie darunter, kann Potenzial bestehen, aber nur, wenn der Vertrag Anpassungen erlaubt.
  • Anstehende Investitionen: Dach, Heizung, Brandschutz oder Mieterausbau kosten Geld, das im Preis oft nicht berücksichtigt ist.
  • Finanzierung: Banken bewerten nach eigenen Regeln und verlangen häufig ein Gutachten.

Faktor und Zinsniveau

Steigen die Zinsen, verlangen Käufer höhere Renditen, und die Faktoren sinken bei gleicher Miete. Der Gutachterausschuss leitet aus Kauffällen den Liegenschaftszins ab, siehe Liegenschaftszins im Lexikon. Er bildet die Marktrendite im Wertermittlungsverfahren ab und steht in einem Zusammenhang mit der Rendite, ist aber nicht mit ihr identisch.

Ein Gutachten schafft Vergleichbarkeit

Zwei Objekte mit gleichem Faktor können sehr unterschiedlich sein. Das Gutachten rechnet beide auf eine einheitliche Basis: nachhaltige Miete, angemessene Bewirtschaftungskosten, Restnutzungsdauer und Risiken. So wird sichtbar, was ein Preis wirklich hergibt.

Häufige Fragen

Was ist ein guter Kaufpreisfaktor für Gewerbe?
Es gibt keinen allgemeinen Wert. Der Faktor hängt von Lage, Nutzung, Mieter, Restlaufzeit und Zustand ab und ändert sich mit dem Zinsniveau. Er sollte immer mit vergleichbaren Objekten und der Nachhaltigkeit der Miete verglichen werden.
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettoanfangsrendite?
Die Bruttoanfangsrendite nutzt die Jahresmiete und den Kaufpreis. Die Nettoanfangsrendite zieht nicht umlagefähige Kosten ab und rechnet die Nebenkosten des Erwerbs auf den Preis. Sie ist deshalb niedriger und aussagekräftiger.
Wie hoch sind die Erwerbsnebenkosten in Bayern?
Die Grunderwerbsteuer beträgt in Bayern 3,5 %. Dazu kommen Notar und Grundbuch sowie gegebenenfalls Maklerkosten. Die Höhe hängt vom Einzelfall ab, steuerliche Fragen klären Sie mit Ihrem Steuerberater.
Ersetzt eine Faustformel das Gutachten?
Nein. Faustformeln ordnen grob ein, berücksichtigen aber weder Vertragslage noch Zustand noch Risiken. Ein Gutachten leitet den Wert nachvollziehbar aus Markt und Objekt ab.
Was bedeutet ein niedriger Kaufpreisfaktor?
Ein niedriger Faktor bedeutet eine hohe Rendite im Verhältnis zum Preis. Er kann auf Risiken wie Leerstand, kurze Mietlaufzeit oder Investitionsbedarf hinweisen und ist nicht automatisch ein gutes Geschäft.
Gelten die Kennzahlen auch für Wohnimmobilien?
Das Prinzip ist gleich. Üblich sind die Kennzahlen aber vor allem bei vermieteten Gewerbe- und Anlageobjekten.

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Fachlich geprüft von Oliver Nitschke, zertifiziertem Sachverständigen für Immobilienbewertung (DIN EN ISO/IEC 17024). Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

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