Liegenschaftszins: Definition und Bedeutung für die Bewertung

Der Liegenschaftszins zeigt, wie der Markt Reinerträge von Immobilien verzinst. Er ist die wichtigste Stellgröße im Ertragswertverfahren.

Kurz gesagt: Der Liegenschaftszins ist der Zinssatz, mit dem sich der Verkehrswert von Grundstücken im Durchschnitt marktüblich verzinst. Er wird in der Regel vom Gutachterausschuss aus Kaufpreisen abgeleitet und dient im Ertragswertverfahren dazu, Erträge in einen Wert umzurechnen.

Funktion im Ertragswertverfahren

Im Ertragswertverfahren wird der Reinertrag einer Immobilie in einen Wert umgerechnet. Dafür braucht es einen Zinssatz, der widerspiegelt, wie der Markt Ertrag, Risiko und Lage bewertet. Genau das leistet der Liegenschaftszins. Er wirkt in zwei Schritten: bei der Verzinsung des Bodenwerts und über den Vervielfältiger bei der Kapitalisierung des Gebäudeertrags. Zugleich übernimmt er die Marktanpassung.

Rechenbeispiel

Beispiel mit frei gewählten Zahlen, ohne Anspruch auf Marktrealität: Reinertrag 20.000 € pro Jahr, Bodenwert 100.000 €, Liegenschaftszins 3 %, Restnutzungsdauer 40 Jahre.

SchrittRechnungErgebnis
Bodenwertverzinsung100.000 € × 3 %3.000 €
Reinertrag der Gebäude20.000 € − 3.000 €17.000 €
Vervielfältiger (3 %, 40 Jahre)gerundet23,11
Ertragswert der Gebäude17.000 € × 23,11ca. 392.900 €
Ertragswert insgesamtzuzüglich Bodenwertca. 492.900 €

Ein höherer Zins führt bei gleichem Ertrag zu einem niedrigeren Wert, ein niedrigerer Zins zu einem höheren.

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Herkunft und Abgrenzung

Liegenschaftszinssätze leitet der Gutachterausschuss aus tatsächlichen Kaufpreisen vergleichbarer, vermieteter Objekte ab. Sie unterscheiden sich nach Objektart, Lage und Region und werden in den Grundstücksmarktberichten veröffentlicht, soweit Daten vorliegen. Konkrete Zahlen nennen wir hier bewusst nicht, da sie ohne Bezug zu Objekt und Stichtag irreführend wären.

  • Der Liegenschaftszins ist nicht der Kreditzins der Bank.
  • Er ist nicht mit der Rendite eines einzelnen Käufers gleichzusetzen, sondern ein Durchschnittswert des Marktes.
  • Er darf nur zusammen mit den Modellannahmen angewandt werden, mit denen er abgeleitet wurde.

Worauf man achten sollte

Kleine Änderungen des Zinssatzes können den Ertragswert spürbar verschieben. Ein Gutachten sollte daher die Quelle des Zinssatzes und eventuelle Abweichungen begründen. Mehr dazu im Ratgeber Liegenschaftszins und Marktanpassung.

Häufige Fragen

Wo kann ich den Liegenschaftszins nachlesen?
In der Regel im Grundstücksmarktbericht des zuständigen Gutachterausschusses. Nicht für jede Objektart und Region liegen veröffentlichte Werte vor.
Warum ändert sich der Liegenschaftszins?
Er folgt den Kaufpreisen am Markt und damit Nachfrage, Zinsumfeld und Risikoeinschätzung. Deshalb ist der Stichtag für die Wahl des Zinssatzes wichtig.

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