Wohnrecht: Definition und Wirkung auf den Immobilienwert

Ein Wohnrecht mindert den Wert für den Eigentümer, weil er die Räume nicht selbst nutzen kann. Wie stark, ergibt sich aus Mietvorteil und Dauer.

Kurz gesagt: Ein Wohnrecht (Wohnungsrecht, § 1093 BGB) berechtigt eine Person, ein Gebäude oder Teile davon unter Ausschluss des Eigentümers als Wohnung zu nutzen. Es wird im Grundbuch in Abteilung II eingetragen und ist in der Regel an die Person des Berechtigten gebunden.

Bedeutung in der Wertermittlung

Der Eigentümer kann die belasteten Räume in der Regel weder selbst nutzen noch vermieten. Für einen Käufer ist die Immobilie solange weniger wert, wie das Recht besteht. Deshalb unterscheiden wir den unbelasteten Wert, den Wert des Wohnrechts und den belasteten Wert, der sich als Unterschied ergibt. Welcher Wert gebraucht wird, hängt vom Anlass ab.

Der Vorteil des Berechtigten entspricht im Kern der ersparten marktüblichen Miete für die Räume. Dieser jährliche Vorteil wird über die voraussichtliche Dauer des Rechts auf einen heutigen Wert umgerechnet.

Vorgehen in der Praxis

  • Umfang prüfen: ganzes Haus oder einzelne Räume, Mitbenutzung von Garten, Keller oder Garage
  • Miete für die betroffenen Räume ableiten
  • Dauer abschätzen, meist anhand der Lebenserwartung des Berechtigten nach allgemeinen Sterbetafeln
  • Jährlichen Vorteil abzinsen, siehe Barwert

Zusätzlich lesen wir, wer Nebenkosten und Instandhaltung trägt. Diese Regelung steht im Übertragungsvertrag oder in der Bewilligung und beeinflusst den Vorteil.

Fragen zu Ihrer Immobilie? Wir ordnen den Begriff für Ihren Fall ein, gern vorab am Telefon: 09605 / 66 92 588 oder Anfrage senden.

Abgrenzung und häufige Missverständnisse

Das Wohnrecht gestattet nur das Wohnen. Der Nießbrauch geht weiter, er umfasst alle Nutzungen und damit auch die Vermietung. Ein Wohnrecht ist kein Mietvertrag; es ist ein dingliches Recht, das einen Eigentümerwechsel überdauert. Es ist in der Regel nicht vererblich und endet mit dem Tod des Berechtigten.

Ein nur schuldrechtlich vereinbartes Wohnrecht ohne Grundbucheintrag wirkt gegenüber einem späteren Erwerber im Zweifel nicht in gleicher Weise. Die rechtliche Einordnung klärt ein Anwalt.

Worauf man achten sollte

Wir benötigen Grundbuchauszug, Bewilligung und möglichst den Übertragungsvertrag. Bei Übertragungen innerhalb der Familie hilft die Seite Haus an Kinder übertragen. Steuerliche Folgen bespricht man mit dem Steuerberater, die vertragliche Gestaltung mit dem Notar.

Häufige Fragen

Wie wird der Wert eines Wohnrechts ermittelt?
In der Regel aus dem jährlichen Mietvorteil, der über die voraussichtliche Dauer auf einen heutigen Wert abgezinst wird. Im Einzelfall sind Umfang und Kostentragung zu berücksichtigen.
Erlischt ein Wohnrecht mit dem Tod?
In der Regel ja, es ist an die Person gebunden. Abweichungen und die Löschung im Grundbuch klärt der Notar.

Verwandte Begriffe

Weiterlesen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Welches Gutachten Sie brauchen, klären wir gemeinsam.

Rufen Sie an oder schreiben Sie uns kurz. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung und ein verbindliches Angebot – ohne Verpflichtung.

AnrufenAnfrage senden